Wer Baladis kennt, liebt sie
Unwissenheit und Angst der Bevölkerung macht den Hunden oft das Leben unnötig schwer
Leider sind Hunde in Ägypten nicht sehr beliebt. Viele Einheimische haben Angst vor ihnen und geben diese automatisch auch an ihren Nachwuchs weiter. Da sie keinerlei Ahnung und Erfahrung haben, wie man sich Hunden gegebenüber richtig verhält, reagieren sie meist falsch. Sie rennen weg, schreien vor Panik wie am Spieß, fuchteln mit Stöcken oder werfen Steine. Resultat: Natürlich bellen die Tiere, laufen hinterher. Und NATÜRLICH merken sich die klugen Baladis auch, wer sie schlecht behandelt und reagieren beim Anblick der Leute jedes Mal wieder.
Dabei sind die meisten Baladis - bei aller Freiheitsliebe - sehr menschbezogen, um nicht zu sagen große Schmusebacken. Wenn wir auf die Straße gehen, sind sie sofort bei uns und wollen gestreichelt werden. Sie genießen es sehr, wenn wir Zeit mit ihnen verbringen und bei ihnen sitzen. Wenn wir zu Fuß gehen, begleiten sie uns, was bei längeren Wegen leider nicht unproblematisch ist, da wir auf fremde Rudel treffen, wenn wir uns weiter weg bewegen.
Aufklärung und Kastration ist der einzige Weg, um die Situation auf Dauer zu verbessern
Natürlich fällt es schwer, nicht aggressiv auf Menschen zu reagieren, wenn sie auf die Hunde los gehen. So lange es jedoch nicht wirklich böswillige Tierquälerei ist, sondern aus reiner Panik geschieht, ist der richtige Weg mit den Leuten zu sprechen und sie aufzuklären. Nur wenn die Einheimischen verstehen, dass die Hunde ihnen nichts Böses wollen, wenn sie freundlich behandelt oder zumindest in Ruhe gelassen werden, kann sich etwas ändern.
Darüber hinaus ist Aufklärungsarbeit auch beim Thema Kastration wichtig. Manche Muslime denken, dass die Religion diesen Eingriff verbietet. Das stimmt jedoch nicht und viele Gelehrte befürworten Kastrationen, wenn sie das Wohl der Tiere nicht verletzen. Das Argument, man nehme den Streunern ihr Vergnügen, ist leicht widerlegt: Unkontrollierte Fortpflanzung und Überpopulation verursachen böse Verletzungen bei Kämpfen, Krankheiten und Hunger. Kastrierte Rudel leben wesentlich entspannter miteinander und haben folglich ein besseres Leben.
Das Töten der Hunde zieht nur neue Rudel an
Leider kommt es immer noch vor, dass Hunde vergiftet werden, um die "Probleme" aus der Welt zu schaffen. Auch das ist ein Trugschluss, denn sind die Tiere weg, wird das freie Revier sofort von einem neuen Rudel in Anspruch genommen. So wird quasi der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben. Der Kreislauf beginnt von neuem: Vor allem nachts viel Lärm wegen der Kämpfe ums Paarungsvorrecht, größere Populationen, mehr Krankheiten, mehr vermeintliche Belästigungen und "Angriffe".
Nicht nur Futter, sondern - wenn nötig - auch medizinische Versorgung
Unseren Baladis - Billy, Foxi, Naim, Polly, Rex und Whitey - geht es jedenfalls gut. Sie sind alle kastriert und werden von den Bewohnern recht gut akzeptiert und auch gefüttert. Wir passen auf sie auf. Sie sind gut versorgt und gesund. Natürlich hat der eine oder andere mal eine kleine Verletzung oder humpelt. Dann machen wir Fotos und schicken sie unseren Freunden vom SUST Orphan Animal Hospital Hurghada. Straßenhunde und -katzen werden dort kostenlos behandelt und natürlich auch kastriert. Doktor Wahid und sein Team beraten uns und geben uns Medikamente. Bisher hat das immer ausgereicht, damit die Patienten schnell wieder gesund waren. Falls es mal schlimmer sein sollte und eine Behandlung in der Klinik nötig wäre, werden wir den Transport organisieren und unseren Baladis helfen lassen.
Unter Impressionen findet ihr mehr Bilder von unseren vierbeinigen Freunden.