Ramadan - zwischen Spiritualität, Tradition und Lebensfreude

Veröffentlicht am 15. Februar 2026 um 14:00

Ramadan in Ägypten ist mehr als nur Fasten. Es ist eine Zeit, in der das ganze Land spürbar zur Ruhe kommt – gleichzeitig aber auch auf eine ganz besondere Art lebendig wird. Wer Ägypten während des Ramadan besucht, erlebt nicht nur eine religiöse Tradition, sondern auch eine kulturelle Atmosphäre, die es so kaum irgendwo anders gibt: festlich, herzlich, gemeinschaftlich und voller Rituale, die den Alltag verändern.

Was ist Ramadan eigentlich genau?

Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender und gilt als heiligster Monat für Muslime. In dieser Zeit wird tagsüber gefastet – das bedeutet: kein Essen, kein Trinken, kein Rauchen und auch kein bewusstes „Genießen“ von Dingen, die den Fastenbruch beeinflussen könnten. Gefastet wird grob gesagt von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Die Zeiten sind ortsabhängig genau festgelegt – in Hurghada beginnt das Fasten im Jahr 2026 um 4.56 Uhr und endet um 17.36 Uhr.

Doch Ramadan ist nicht nur Verzicht. Im Mittelpunkt stehen Besinnung, Gebet, Dankbarkeit, Wohltätigkeit und Gemeinschaft. Viele Menschen nutzen diesen Monat, um sich spirituell zu stärken und den Fokus auf Familie und Glauben zu legen.

Wie verändert sich der Alltag?

Wer Ramadan noch nicht erlebt hat, ist sicher überrascht, wie sehr sich der Tagesrhythmus in dieser besonderen Zeit verändert.

Tagsüber: ruhiger, langsamer, entspannter

Am Tag wirkt vieles gedämpfter. Viele Menschen sind müde, weil sie nachts länger wach sind, und auch die Straßen sind oft weniger hektisch. Behörden und Geschäfte haben teilweise verkürzte Öffnungszeiten, und einige Restaurants schließen tagsüber komplett – vor allem außerhalb touristischer Regionen.

Auch in Touristenstädten wie Hurghada merkt man außerhalb der Hotelanlagen, dass Ramadan ist: weniger Verkehr am Mittag, weniger Trubel, mehr Gelassenheit. Das bedeutet aber nicht, dass Ägypten „stillsteht“. Es läuft nur anders.

Abends: plötzlich wird es lebendig

Sobald die Sonne untergeht, verwandeln sich die Straßen. Dann beginnt die Zeit des Iftar – das Fastenbrechen. Und das ist in Ägypten ein echtes Ereignis.

Kurz vor Sonnenuntergang sind die Straßen oft überraschend leer, weil alle nach Hause oder zu Familie und Freunden wollen. Danach aber füllen sich Cafés, Restaurants und Plätze. Überall wird gegessen, gelacht und geredet – oft bis tief in die Nacht.

Iftar und Suhoor

Iftar ist die erste Mahlzeit nach einem langen Fastentag. Obwohl es am Abend stattfindet, bezeichnen es die Ägypter als Frühstück. Traditionell beginnt man mit Datteln und Wasser oder einem Saft, bevor ein größeres Essen folgt.

Typische Speisen beim Iftar in Ägypten sind:

  • Ful Medames (Bohnen)
  • Koshari (Reis, Linsen, Nudeln, Tomatensoße)
  • Molokhia (grüne Suppe aus Jute-Blättern)
  • Mahshi (gefülltes Gemüse)
  • Fattah (Reis, Brot, Fleisch und Soße)
  • und natürlich viel Brot und Reis

Beliebte Getränke sind:

  • Karkadeh (Hibiskustee, kalt oder warm)
  • Tamar Hindi (Tamarindensaft)
  • Qamar al-Din (Aprikosensaft)
  • Sobia (milchiges Kokos-/Reisgetränk)

Und Süßes gehört unbedingt dazu. Klassiker sind Kunafa und Qatayef, zwei Desserts, die während des Ramadan nahezu auf jedem Tisch zu finden sind.

Suhoor – die letzte Mahlzeit vor Sonnenaufgang

Spät in der Nacht wird schließlich noch einmal gegessen: Suhoor ist die Mahlzeit kurz vor dem Morgengebet. Viele bleiben lange wach, treffen Freunde, trinken Tee und essen morgens nochmal etwas zwischen 2 und 4 Uhr, bevor der Fastentag beginnt.

Fanous – die Ramadan Laternen

 Wenn man an Ramadan in Ägypten denkt, kommt man an einem Symbol nicht vorbei: Fanous, die bunten Ramadan-Laternen.

Sie hängen in Straßen, Geschäften, Balkonen und Fenstern. Kinder laufen oft mit kleinen Laternen herum, und ganze Viertel werden mit Lichterketten geschmückt.

Die Tradition der Fanous-Laternen ist in Ägypten so tief verwurzelt wie bei Christen die Weihnachtsbeleuchtung und erzeugt wie diese eine besondere magische Stimmung.

Wohltätigkeit und Gemeinschaft ist wichtiger Bestandteil

Untrennbar mit Ramadan ist der Gedanke der Wohltätigkeit verbunden .  Die Menschen sind während des Fastenmonats besonders dazu aufgerufen Gutes zu tun. Jeder soll nach seinen individuellen Möglichkeiten den Bedürftigen helfen.

Sehr bekannt sind die sogenannten Mawa’ed al-Rahman – lange Tische oder Zelte, an denen kostenlose Iftar-Mahlzeiten für Arme, Reisende oder einfach jeden angeboten werden. Oft stehen diese mitten auf der Straße oder vor Moscheen.

Dieses Gefühl von Gemeinschaft ist einer der Gründe, warum viele Ägypter Ramadan als „Monat des Herzens“ beschreiben.

Was solltet ihr als Touristen während des Ramdan beachten?

Grundsätzlich gilt: In touristischen Gegenden wie Hurghada, Sharm El-Sheikh oder in großen Hotels müssen Touristen nicht viel beachten. Wer in seiner Hotalanlage bleibt, bekommt wenig von den Traditionen mit. Dort bleiben Restaurants geöffnet, und die Angebote laufen normal weiter. 

In nicht-touristischen Gebieten sollte man jedoch respektvoll sein. Es ist besser, nicht demonstrativ auf der Straße zu essen oder zu trinken. In Ägypten wird Höflichkeit sehr geschätzt, und wer Rücksicht zeigt, erlebt oft besonders herzliche Begegnungen.

Eid al-Fitr – das große Fest am Ende des Ramadan

Ramadan endet mit dem Eid al-Fitr, dem Zuckerfest. In Ägypten ist das Fest des Fastenbrechens ein echtes Highlight, auf das alle sehnsüchtig nach der langen Fastenzeit warten: Familien besuchen sich, Kinder bekommen Geschenke, neue Kleidung wird gekauft und es gibt überall Süßigkeiten.

Ein typisches Gebäck zu Eid ist Kahk, ein Butterkeks mit Puderzucker und manchmal Dattelfüllung. Die Straßen sind voll, die Stimmung fröhlich – und viele nutzen die Feiertage für Ausflüge ans Meer oder zu Verwandten

Warum Ramadan in Ägypten so besonders ist

Ramadan bedeutet Spiritualität, aber auch Lebensfreude. Es ist eine Zeit, in der sich der Alltag verändert und gleichzeitig viele Menschen enger zusammenrücken.

Wer Ägypten in dieser Zeit erlebt, bekommt eine Seite des Landes zu sehen, die oft tiefer geht als klassische Sehenswürdigkeiten: die Wärme der Menschen, das Gefühl von Gemeinschaft und die beeindruckende Kultur, die sich in Ritualen, Essen und Traditionen zeigt.

Ramadan in Ägypten ist nicht nur ein religiöser Monat – es ist ein Erlebnis, das man spürt. In den Lichtern der Fanous, im Duft von frisch gebackener Kunafa, in den vollen Straßen nach Sonnenuntergang und in der stillen Ruhe kurz vor dem Iftar.